Lockerer Austausch über lokale Themen mit (v.l.): Stefanie Möhlenhoff, Martin Kupper, Torsten Bauer, Michael Tietze und Peter Albrecht.

Uslar. Zu einem offenen und intensiven Informationsgespräch trafen sich Vertreter der Stadt Uslar und leitende Mitarbeitende des Albert-Schweitzer-Familienwerks in der Geschäftsstelle des Familienwerks in Uslar. Ziel des Treffens war es, aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und gemeinsame Zukunftsperspektiven für den Standort Uslar zu erörtern.

 

Seitens der Stadt nahmen Bürgermeister Torsten Bauer und Wirtschaftsförderin Stefanie Möhlenhoff teil. Das Albert-Schweitzer-Familienwerk wurde durch den Vorstandsvorsitzenden Martin Kupper, die Einrichtungsleiter Peter Albrecht (Berufsbildende Schule) und Michael Tietze (Albert-Schweitzer-Kinderdorf) sowie Pressesprecher Jörg Grabowsky vertreten.

Starker Partner der Region

Zu Beginn stellte Martin Kupper den gemeinnützigen Verein vor. Die Organisation erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 65 Millionen Euro. Etwa ein Drittel davon wird am Standort Uslar umgesetzt. Zudem stammt rund ein Drittel der knapp 1.000 Beschäftigten aus der Region. Das Familienwerk betreibt in Niedersachsen acht Einrichtungen an insgesamt elf Standorten.

Größe Zukunftsaufgaben

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erläuterte Kupper die Herausforderungen der kommenden Jahre. Besonders die Gewinnung und Bindung von Fachkräften werde die sozialen Einrichtungen zunehmend beschäftigen. Hinzu kämen die politischen Diskussionen über Einsparungen im sozialen Bereich. Über viele Jahre sei dafür gekämpft worden, die Vergütungssysteme an die Tarife des öffentlichen Dienstes anzupassen. Umso größer sei die Sorge, wenn tarifliche Steigerungen künftig nicht mehr vollständig refinanziert würden. Dies betreffe sämtliche Bereiche der sozialen Arbeit.

 

Auch die Einrichtungsleiter schilderten ihre Erfahrungen aus der täglichen Praxis. Peter Albrecht sprach sich für einen weiteren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus. Für viele Schülerinnen und Schüler sei eine gute Anbindung an die Schule, Ausbildungsstätten und Betriebe von großer Bedeutung. Darüber hinaus verwies er auf die Herausforderungen der Integration. Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler stamme nicht aus europäischen Herkunftsländern. Um eine erfolgreiche Integration zu fördern, seien ausreichender Wohnraum und passende Unterstützungsangebote wichtige Voraussetzungen.

 

Michael Tietze berichtete von anspruchsvollen und intensiven Pflegesatzverhandlungen. Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf stehe wie viele soziale Einrichtungen vor erheblichen Kostensteigerungen. Insbesondere politische Sparmaßnahmen würden die Arbeit der Einrichtungen zunehmend erschweren.

 

Lebenswertes Uslar

Ein gemeinsames Anliegen der Verantwortlichen ist die Stärkung des Standorts Uslar. Sowohl für die Berufsbildende Schule als auch für das Kinderdorf sei es wichtig, dass Menschen gerne in Uslar leben und langfristig an die Region gebunden werden. Dazu seien Investitionen in die Infrastruktur sowie attraktive Rahmenbedingungen für Familien, Fachkräfte und junge Menschen erforderlich.

 

Auch wenn viele der angesprochenen Themen auf Landes- oder Bundesebene entschieden werden und der kommunale Einfluss daher begrenzt ist, waren sich die Gesprächspartner einig, dass sich gemeinsames Engagement lohnt. So wurden im Austausch mehrere Ansatzpunkte identifiziert, die Stadt und Familienwerk gemeinsam weiterverfolgen möchten.

 

Hintergrund Albert-Schweitzer-Familienwerk:

Das Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. ist eine starke Gemeinschaft in der rund 1.000 Mitarbeitende mehr als 3.400 Menschen in ambulanten und stationären Einrichtungen betreuen. Der Name ist Konzept: In elf niedersächsischen Städten und Gemeinden wurden regionale Dienstleistungszentren für Menschen geschaffen. Standorte sind unter anderem: Lüneburg, Bleckede, Alt Garge, Hermannsburg, Hannover, Celle, Bad Gandersheim, Holzminden, Uslar, Göttingen, Northeim. Der gemeinnützige Verein bietet individuelle Hilfen für Kinder und Jugendliche, alte, kranke und behinderte Menschen. Viele Menschen vertrauen in den einzelnen Einrichtungsteilen auf die familienähnlichen Strukturen; ein großes Gemeinschaftswerk für hilfebedürftige Menschen: das Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.