Marketingleiter verabschiedet sich nach rund 30 Jahren aus dem Führungskreis des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.

Jörg Grabowsky (Mitte) verabschiedet sich aus der Führungsriege mit (von links) Stefanie Müller-Exner (Seniorenzentrum Uslar), Dr. Dirk Dammann (Klinik Holzminden), Albrecht Braune (IT-Leiter), Harald Kremser (Organisationsentwicklung), Anke Waldmann (Finanzleiterin), Martin Kupper (Vorstandsvorsitzender), Günter Kalisch (Kinderdorf Alt Garge), Solveig Baier (Organisationsentwicklung), Horst-Michael Stöckmann (Jugend- und Behindertenhilfe Hermannsburg), Peter Albrecht (BBS Uslar) Michael Tietze (Kinderdorf Uslar) und Sonja Welskopf (Wegbegleiter Südniedersachsen).
Uslar. Drei Jahrzehnte Albert-Schweitzer-Familienwerk – das sind unzählige Geschichten, Veranstaltungen, Presseartikel, Spendenaktionen, Projekte, Diskussionen und vermutlich ebenso viele spontane Ideen. Und mittendrin: Jörg Grabowsky.
Nach rund 30 Jahren als leitender Mitarbeiter verlässt der Marketingleiter zum Jahreswechsel den Führungskreis des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. Ganz weg ist er allerdings nicht: Grabowsky wechselt auf eigenen Wunsch „in die zweite Reihe“ und wird weiterhin mit Pressearbeit, Fundraising und Eventmanagement zur Verfügung stehen – künftig in Teilzeit.
Nach dem Leitungszirkel am vergangenen Montag wurde der dienstälteste leitende Mitarbeiter vom Vorstandsvorsitzenden Martin Kupper und den Kolleginnen und Kollegen aus dem Führungskreis offiziell verabschiedet. Es gab Präsente, persönliche Worte, viel Dankbarkeit – und natürlich reichlich Gelegenheit zum Schmunzeln. Und wegen seiner Leidenschaft zum Handball, durfte ein mit Autogrammen verzierter Handball der Kollegen als Abschiedsgeschenk natürlich nicht fehlen. Diese Leidenschaft wurde dann sogar ganz praktisch: In einer Scheune ging es noch zu einem gemeinsamen Handballspiel.
Vom Fotoauftrag ins Marketing des Familienwerks
Die Geschichte von Jörg Grabowsky und dem Familienwerk begann bereits im November 1992. Damals erhielt er von dem, damaligen Geschäftsführer Heiner Theiß seinen ersten Auftrag: „Mach doch mal ein paar Fotos bei der Mitgliederversammlung.“ Er erlebte eine Mitgliederversammlung, die es in sich hatte. Geheime Wahlen wurden ermöglicht, der Kuratoriumsvorsitzende wurde abgewählt und es folgten lautstarke Diskussionen. Grabowsky fragte sich damals: Das soll dein künftiger Arbeitgeber sein?“ Seine Antwort, so erzählte er rückblickend: „Jupp. Diese Truppe ist bunt genug.“ Es sollte eine bemerkenswert lange und produktive Zusammenarbeit werden.
Sein erster Auftrag für eine Großveranstaltung kam ebenfalls auf typisch „Theißsche“ Art. Heiner Theiß hatte ein russisches Orchester der Schwarzmeerflotte gebucht, das für eine Woche nach Niedersachsen kommen sollte. Grabowsky bekam den Auftrag, für rund 50 Menschen eine Unterkunft zu organisieren und Veranstaltungen auf die Beine zu stellen – möglichst so, dass am Ende auch noch Geld für den Verein übrig blieb. Es funktionierte. Und damit war der Weg vom Fotografen zum Organisations-, Kommunikations- und Fundraising-Gestalter eingeschlagen.
Wenn aus Spendenbriefen plötzlich alles andere wird
Eigentlich sollte Grabowsky zunächst vor allem Spenden einwerben. Doch wer Spendenbriefe textet und gestaltet, schreibt auch Zeitungsartikel. Gewinnt Stiftungen. Gestaltet Broschüren, Flyer, Anzeigen und Prospekte. Konzipiert und moderiert Veranstaltungen. Baut Internetseiten. Und bearbeitet die sozialen Medien.
Auch über das Familienwerk hinaus engagierte sich Grabowsky: 1995 wurde der Albert-Schweitzer-Verband der Kinderdörfer und Familienwerke in Deutschland mitgegründet. Dort war er ebenfalls im Bereich Mailings und Fundraising aktiv.
„Zettelschubserei“ und Overhead-Folien
Der Vorstandsvorsitzende Martin Kupper blickte in seiner Laudatio weit zurück und bezeichnete seinen Vortrag augenzwinkernd als Familienwerks-Kosmos mit Jörg Grabowsky“. Er erinnerte an die gemeinsamen Anfänge der Zusammenarbeit im Jahr 2001 – und an eine Zeit, in der Präsentationen noch unter ganz anderen technischen Bedingungen entstanden. Handouts und Präsentationen wurden grundsätzlich am Vorabend fertig. Gegen 22 Uhr.
Die ersten gemeinsamen Aufgaben waren die Ideen für eine strategische Steuerung des Familienwerks mittels Balanced Scorecard. Aus dem Leitbild und der Weltlage wurden strategische Ziele abgeleitet und auf Papier gebracht. Grabowsky bezeichnete diese Arbeit liebevoll als „Zettelschubserei“.
Seine manchmal (für Kupper auch anstrengenden) Dauerthemen waren: Wie verhindern wir, dass interne Bürokratie die ohnehin zunehmende Bürokratie von außen noch verschärft? Und vor allem: Wollen wir ein Projekt eigentlich wirklich?
30 Jahre – und erstaunlich viele Erinnerungen
In seiner Abschiedsrede blickte Grabowsky selbst auf drei Jahrzehnte zurück. Er macht das, was er am besten kann: Geschichten erzählen. Und gibt es reichlich.
- Das 50-jährige Bestehen des Familienwerks im Jahr 2011 mit 48 Veranstaltungen.
- Sechs große Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen des Kinderdorfes Alt Garge im Jahr 2019 brachten Grabowsky zeitweise häufiger auf die A7 als nach Hause.
- Auch die drei KiDo-Cups mit jeweils rund 400 kleinen und großen Gästen sind ihm in besonderer Erinnerung geblieben – nicht zuletzt wegen prominenter musikalischer Gäste wie Philipp Dittberner, Joris und Philipp Poisel.
- Zehn Jahre lang wurde in Hannover mit Orgelkonzerten und prominenten Gästen wie dem Sozialminister Dr. Andreas Philippi oder Margot Käßmann Albert Schweitzers Geburtstag gefeiert.
- Hinzu kamen Mitarbeiterfeste und zahllose weitere Veranstaltungen.
- Das Kinderfest in Uslar organisiert Grabowsky seit drei Jahrzehnten, seit sieben Jahren ist auch das Kinderfest in Bleckede Teil seiner Geschichte.
Dabei ging es ihm immer um dasselbe Prinzip: mit möglichst wenig finanziellen Mitteln möglichst viel auf die Beine zu stellen – mit Kreativität, Engagement und ungewöhnlichen Wegen.
Warum also jetzt der Wechsel?
Jörg Grabowsky findet darauf einfache Antworten: „Die Welt dreht sich weiter, und irgendwann muss man sich entscheiden, ob man sich noch mitdrehen kann. Der Schritt in die zweite Reihe sei deshalb bewusst gewählt. Nicht, weil er das Familienwerk nicht mehr möge. Im Gegenteil: „Sondern weil ich es so sehr mag, dass ich rechtzeitig merke, wann andere Dinge und andere Menschen dran sind.“ Das Ende von drei Jahrzehnten voller Dynamik und Verantwortung ist für ihn ein bewegender Moment. Gleichzeitig freut er sich auf neue Freiheiten, mehr Zeit und neue spannende Projekte.
„Danke für über 30 Jahre gelebte Kollegialität“
Martin Kupper würdigte in seiner Laudatio vor allem die langjährige Zusammenarbeit und die Verlässlichkeit: „Danke für über 30 Jahre gelebte Kollegialität, danke für ungezählte Impulse und Mahnungen, danke für alle Unterstützungen zu den unmöglichsten Uhrzeiten.“
Mit Jörg Grabowsky verlasse der Dienstälteste leitende Mitarbeiter den Leitungszirkel. Zugleich unterstrich Kupper die Kontinuität in der Führungscrew des Familienwerks: In 30 Jahren habe es im Führungskreis „nur“ rund 30 Wechsel gegeben – statistisch also etwa einen pro Jahr.
„Hier durfte ich ausprobieren, scheitern und wieder aufstehen“
Auch Grabowsky selbst nutzte die Gelegenheit zum Dank. Martin Kupper galt sein besonderer Dank für das langjährige Vertrauen und eine Zusammenarbeit, die auch ausgedehnte Kritikgespräche zulässt. Seinen Kolleginnen und Kollegen dankte er für jedes Gespräch, jede gemeinsam bewältigte Herausforderung und auch dafür, dass sie ihn, seine Spontanität und seine Fehler „manchmal einfach ausgehalten“ hätten.
Die Führungsriege verabschiedet einen langjährigen Kollegen. Das Familienwerk behält einen erfahrenen Weggefährten.
Bildunterschrift:
Jörg Grabowsky (Mitte) verabschiedet sich aus der Führungsriege mit (von links) Stefanie Müller-Exner (Seniorenzentrum Uslar), Dr. Dirk Dammann (Klinik Holzminden), Albrecht Braune (IT-Leiter), Harald Kremser (Organisationsentwicklung), Anke Waldmann (Finanzleiterin), Martin Kupper (Vorstandsvorsitzender), Günter Kalisch (Kinderdorf Alt Garge), Solveig Baier (Organisationsentwicklung), Horst-Michael Stöckmann (Jugend- und Behindertenhilfe Hermannsburg), Peter Albrecht (BBS Uslar) Michael Tietze (Kinderdorf Uslar) und Sonja Welskopf (Wegbegleiter Südniedersachsen).