Nach einem fulminanten Finale des Konzertabends haben sich alle Akteure noch einmal zum Gruppenbild versammelt. Auf dem Bild zu sehen sind: Der Kinder- und Jugendchor der Marktkirche sowie von vorne rechts Vorstand Martin Kupper, Organist Prof. Ulfert Smidt, Chorleiterin Lisa Laage-Smidt, die Vorleser*Innen Jooke Meyer, Greta Lipfert, Leandra Krasniqi und Ana Munoz sowie Moderator Jörg Grabowsky.

Hannover. Es gibt Abende, die bleiben. Das Konzert „Ohren auf für Albert Schweitzer“ am vergangenen Samstag in der Marktkirche Hannover war genau so einer. Voll besetzte Bänke, leuchtende Augen – und eine Orgel, die nicht nur spielte, sondern erzählte. Das Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. hatte anlässlich des 151. Geburtstags des großen Humanisten eingeladen – und die Marktkirche wurde für fast zwei Stunden zu einem Ort voller Musik, Menschlichkeit und spürbarer Lebensfreude.

Schon zur Begrüßung machte Vorstandsvorsitzender Martin Kupper deutlich, worum es an diesem Abend ging: um Albert Schweitzers Idee der „Ehrfurcht vor dem Leben“ – und darum, sie gerade in herausfordernden Zeiten hörbar und erlebbar zu machen. „Wir machen heute den Anfang“, sagte Kupper. Das Publikum war sofort dabei.

Große Orgel – große Gefühle

Im Mittelpunkt stand das Orgelkonzert von Prof. Ulfert Smidt, der die große Goll-Orgel der Marktkirche in all ihren Farben zum Klingen brachte. Mit Werken von Franck, Widor und Vierne entfaltete sich ein musikalischer Spannungsbogen, der gleichermaßen beeindruckte wie berührte. Dank Live-Übertragung auf Leinwand konnten die Gäste das virtuose Spiel sogar aus nächster Nähe verfolgen – ein Erlebnis für Augen und Ohren. Gänsehaut inklusive.

Eine Besucherin brachte es nach dem Konzert auf den Punkt: „Es war bewundernswert – auch optisch – Ihr Spiel zu verfolgen. Franck, Widor, Vierne: alles bravissimo!“

Wenn junge Stimmen kluge Dinge sagen

Für frische Energie sorgte der Kinder- und Jugendchor der Marktkirche unter der Leitung von Lisa Laage-Smidt. 25 klare, kräftige Stimmen füllten den Raum mit fünf wunderbar ausgewählten Liedern – leicht, berührend und voller Freude. Moderator Jörg Grabowsky bedankte sich mit einem Gedanken, der vielen aus dem Herzen sprach: „Kinder haben dieses wunderbare Talent, komplizierte Dinge einfach zu sagen. Und manchmal fragt man sich: Warum haben wir Erwachsenen das eigentlich verlernt?“

Mutige Schüler lesen

Genau das bewiesen auch die Schülerinnen und Schüler der IGS Bothfeld, die mit Lesungen zu weiteren Höhepunkten des Abends wurden. Leandra Krasniqi, Greta Lipfert, Ana Muñoz und Jooke Meyer lasen mutig, fehlerfrei und mit klugen Gedanken über Mitmenschlichkeit, Verantwortung und den Blick auf unsere Gegenwart. Titel wie „Warme Herzen schlagen jedes Formular“ oder „Ohne Smartphone zum Superhelden“ sorgten für Schmunzeln – und für nachdenkliche Stille. Geschichten aus dem Alltag oder auch aus der Schule beleuchteten die Kinder mit der Fragestellung: „Was hätte Albert Schweitzer dazu gesagt?“

Licht, Worte und gute Nachrichten

Auch optisch war der Abend ein Genuss: Die stimmungsvolle Beleuchtung der Marktkirche setzte Architektur und Raum eindrucksvoll in Szene und schuf eine festliche Atmosphäre. Durch das Programm führte Jörg Grabowsky, der gleich zu Beginn augenzwinkernd warnte: „Als Kontrast zu den reißenden Schlagzeilen machen wir heute etwas ganz Verrücktes: gute Nachrichten.“ Mit Humor, Charme und sicherem Gespür verband er Musik, Texte und Gedanken zu einem runden Ganzen. Gleich drei Erfolgsstorys aus dem, Familienwerk hatte er mitgebracht.

Ein Abend, der nachklingt

„Ohren auf für Albert Schweitzer“ war weit mehr als ein Konzert. Es war ein Abend, der zeigte, wie aktuell Schweitzers Werte noch immer sind – und wie lebendig sie weitergegeben werden können. Musik, junge Stimmen, Licht und Worte schlugen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und viele Gäste gingen mit dem Gefühl nach Hause: Davon brauchen wir mehr – und das Echo des Abends klingt noch lange nach.

Hintergrund I – Der Gastgeber: das Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.

Das Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. ist eine starke Gemeinschaft, in der rund 1.000 Mitarbeitende mehr als 3.400 Menschen in ambulanten und stationären Einrichtungen begleiten. In elf niedersächsischen Städten und Gemeinden bietet der gemeinnützige Verein individuelle Hilfen für Kinder und Jugendliche sowie für alte, kranke und behinderte Menschen. Familienähnliche Strukturen, Nähe und Verlässlichkeit prägen die Arbeit – ein großes Gemeinschaftswerk für Menschen, die Unterstützung brauchen.

Hintergrund II – Albert Schweitzer

  1. Januar 1875 in Kaysersberg (Elsass) – † 4. September 1965 in Lambaréné (Gabun) war deutsch-französischer Arzt, Philosoph, evangelischer Theologe, Organist und Pazifist. Er gründete das Krankenhaus in Lambaréné und veröffentlichte zahlreiche theologische, philosophische und musikwissenschaftliche Werke, insbesondere zu Johann Sebastian Bach. Für sein humanitäres Wirken erhielt er den Friedensnobelpreis 1952, den er 1954 entgegennahm.