
Einrichtungsleiter Günter Kalisch (Mitte) und Vorstandsvorsitzender Martin Kupper begrüßten die teilweise weitgereisten ehemaligen Kinderdorfkinder
Rund 50 ehemalige Kinderdorfkinder kehrten nach Alt Garge zurück – ein Nachmittag voller Erinnerungen und bewegender Momente
Alt Garge. Manche Orte vergisst man nie. Selbst wenn Jahrzehnte vergangen sind, genügt manchmal ein vertrauter Weg, ein Haus, ein Zimmer oder ein Gesicht – und plötzlich ist vieles wieder da. Stimmen, Geschichten, Freundschaften und Erinnerungen an eine Zeit, die das eigene Leben geprägt hat.
Weitgereiste Gäste
Am vergangenen Freitag wurde das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Alt Garge für einige Stunden zu diesem ganz besonderen Ort der Begegnung. Rund 50 ehemalige Kinderdorfkinder waren der Einladung zum Ehemaligentreffen gefolgt. Manche hatten nur eine kurze Anreise, andere legten viele Kilometer zurück. Die weiteste Anreise führte von Nürnberg nach Alt Garge.
Unter dem Motto „Wiedersehen macht Freude – und Freunde!“ wurde es ein Nachmittag und Abend, der bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern tief unter die Haut ging.
„Es ist schön, euch wieder hier zu sehen“
Vorstandsvorsitzender Martin Kupper und Einrichtungsleiter Günter Kalisch begrüßten die ehemaligen Kinderdorfkinder, von denen einige bereits seit vielen Jahrzehnten nicht mehr an diesem Ort gewesen waren. Für Günter Kalisch war das Treffen auch persönlich etwas Besonderes. Viele der Menschen, die an diesem Tag vor ihm standen, lebten bereits im Kinderdorf, lange bevor er selbst dort tätig wurde.
„Ich bin stolz und froh, so viele Ehemalige kennenlernen zu dürfen“, machte Kalisch deutlich. Besonders faszinierten ihn die Geschichten aus einer Zeit, die er selbst nicht miterlebt hat. Geschichten aus den Anfängen des Kinderdorfes, aus den Häusern und Kinderzimmern, aus dem Alltag vergangener Jahrzehnte. Und genau diese Geschichten wurden an diesem Tag erzählt.
Es wurde gelacht, gestaunt und manchmal auch ganz still zugehört. Alte Bekanntschaften wurden aufgefrischt, Erinnerungen verglichen und längst vergangene Begebenheiten wurden wieder lebendig.
50 Jahre alte Geschichten
Auch Martin Kupper ließ es sich nicht nehmen, in Erinnerungen einzutauchen und mit den ehemaligen Kinderdorfkindern über die Vergangenheit zu plaudern. Besonders beeindruckten ihn die Erzählungen aus der Gründungszeit des Kinderdorfes Ende der 1960er-Jahre.
Es wurde deutlich: Das Kinderdorf ist für viele weit mehr als ein ehemaliger Wohnort. Es ist ein Teil ihrer persönlichen Lebensgeschichte. Zurückblicken bedeutet auch, ehrlich hinzusehen. Zu einem verantwortungsvollen Blick auf die eigene Geschichte gehören jedoch nicht nur die schönen Erinnerungen. Martin Kupper informierte deshalb auch über die aktuellen Angebote zur Aufarbeitung der Geschichte des Albert-Schweitzer-Familienwerkes. Denn auch unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins hat es in der Vergangenheit Missbrauch und anderes Fehlverhalten gegeben.
Aufarbeitung und Hilfen
Eine externe Unterstützungskommission bietet Betroffenen unkompliziert Hilfe an. Darüber hinaus wurde gemeinsam mit dem renommierten Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München eine umfassende Untersuchung zur Aufarbeitung der Vergangenheit gestartet.
- go to: Informationen zur Unterstützungskommission
- go to: Informationen zur Untersuchung und Aufarbeitung IPP München
Wenn die heutigen Kinder auf der Bühne stehen
Nach vielen Gesprächen und einer Fülle von Erinnerungen wartete auf die Gäste ein ganz besonderer Höhepunkt. Bei Kaffee und Kuchen konnte sich der fast 100-köpfige Teilnehmerkreis zunächst stärken. Dann hieß es: Manege frei!
Im Zirkuszelt präsentierten die heutigen Kinderdorfkinder eine beeindruckende und teilweise spektakuläre Zirkusshow. Eine Woche lang hatten sie gemeinsam mit dem Zirkus ZappZarap trainiert, geprobt und ihre eigene Show einstudiert. Nun standen sie vor einem Publikum, das ihnen besonders verbunden war.
Für die ehemaligen Kinderdorfkinder muss dieser Moment eine ganz besondere Bedeutung gehabt haben. Wo früher ihre eigenen Geschichten geschrieben wurden, standen nun die nächsten Generationen im Rampenlicht. Die Begeisterung im Zirkuszelt war entsprechend groß. Applaus, staunende Gesichter und strahlende Kinder machten die Vorstellung zu einem Höhepunkt eines ohnehin besonderen Tages.
Ein Abend mit Bratwurst, Getränken und ganz viel Gesprächsstoff
Nach Zirkus, Erinnerungen und vielen bewegenden Begegnungen war der Tag noch lange nicht zu Ende. Bei Bratwurst und kalten Getränken wurde gemeinsam weitergeredet. Es endete ein harmonischer Tag, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf eine besondere Weise zusammengefunden hatten.
„Das schreit nach einer Wiederholung“
Als am Abend langsam Ruhe auf dem Gelände einkehrte, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitgehend einig: Dieses Wiedersehen darf kein einmaliges Ereignis bleiben. Auch für Einrichtungsleiter Günter Kalisch steht fest: „Das schreit nach einer Wiederholung.“