
Die jungen Künstlerinnen und Künstler zusammen mit Ursula Theiß in ihrem Ausstellungsraum im Kleinen Café Uslar
Uslar – Angefangen hat alles mit einer ganz einfachen Frage von Ursula Theiß an die jungen Künstler und Künstlerinnen aus dem Kinderdorf Uslar von ihren wöchentlichen Malgruppen: „Hättet ihr mal wieder Lust auf eine Ausstellung eurer Bilder?“ Die Antwort klang bei allen gleich und wurde mit einem freudigen Ja erwidert. Das Statement „Das fände ich richtig, richtig turbo gut“ blieb Ursula Theiß dabei sogar noch besonders im Gedächtnis. Und so organisierte die Kunsttherapeutin kurzerhand die Ausstellung „EinzigARTig“ im Kleinen Café in Uslar. Am 01. Juli war bereits Eröffnung und noch bis zum 15. September können alle Bilder eingebettet in die idyllische Café-Atmosphäre während der Öffnungszeiten betrachtet werden. Die Ausstellung mit dem treffenden Namen „EinzigARTig“ zeigt die ganz persönlichen Kunstwerke von Kindern und Jugendlichen aus dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf Uslar, die einmal wöchentlich bei Ursula Theiß in Kleingruppen zu Kunstschaffenden werden.
Kunst darf einfach Kunst sein!
Bei Ursula Theiß gibt es keine Wertung der Bilder oder des Schaffensprozesses und das macht das Gestalten in ihren Gruppen so besonders. Kunst ist bei ihr reine Form des Selbstausdrucks und weil jeder Mensch anders ist, anders erlebt, anders fühlt und Dinge anders verarbeitet, ist alles was von innen heraus geschaffen wird, genau richtig so wie es ist. Es gibt dabei einfach kein gut oder besser und am allerwenigsten ein „nicht gelungen“. Denn genau davon gibt es im Alltag schon genug. In der Schule, im gesellschaftlichen Miteinander und an vielen anderen Stellen werden Leistungen verglichen und bewertet. Im Mal-Atelier soll deshalb etwas bewusst anders passieren, dort soll sich jeder einfach ausprobieren und einfach sein, wie immer jemand ist. Und so dürfen Gedanken, Gefühle, Ideen, Wut, Freude, Fantasie ihren Platz finden. Auch starke Gefühle. Wenn Wut oder Zorn einmal rausmüssen, bekommen auch diese Gefühle Raum. Solange nichts mutwillig zerstört wird, muss nichts unterdrückt oder anders gemacht werden.
Wenn gewünscht gibt Ursula Theiß ab und an einen Impuls oder einen Tipp. Ansonsten gehört der kreative Prozess ganz den jungen Menschen selbst. Genau darin liegt auch die große Stärke dieser Arbeit. Die Kinder und Jugendlichen erleben, dass ihre Ideen etwas wert sind und sie selbst ganz allein etwas erschaffen können. Sie erleben auch, dass ihre Gefühle Raum haben und dass sie selbst etwas bewirken können. Diese Erfahrungen sind für ihre weitere Entwicklung ganz wertvoll.
Damit wird Kunst zu einem Prozess der Selbsterfahrung und Selbstwirksamkeit. Wer sich traut, Neues auszuprobieren, die eigenen Grenzen zu verschieben und sich kreativ völlig frei auszuleben, macht eine besondere und stärkende Erfahrung. Das Ziel dahinter lässt sich dabei in einem einzigen Satz zusammenfassen: „Ich bin ganz besonders, so wie ich bin.“ Diese Erkenntnis soll mit Stolz und Freude in den jungen Menschen wachsen. Dass die Beziehung dabei längst über das gemeinsame Malen und Zeichnen hinausgeht, zeigt auch eine andere gemeinsame Erfahrung. In den Ferien besuchte eine kleine Gruppe Ursula Theiß nämlich in ihrem idyllischen Fachwerkhaus mit dem weitläufigen Garten. Statt mit Pinseln und Farben zu hantieren, haben dort einmal alle miteinander gekocht und das Miteinander genossen.
Kunst wird zu Selbsterfahrung und Freiheit mit sprudelnden Ideen
Die jetzt im Kleinen Café Uslar ausgestellten Bilder stammen aus insgesamt sechs Gruppen. Ursula Theiß arbeitet dabei mit Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 18 Jahren teilweise in Einzelgruppen und teilweise in Kleingruppen mit bis zu vier Kindern oder Jugendlichen gleichzeitig.
Kunst mitten im Leben
Schon einmal hatten die jungen Künstler ihre Werke ausgestellt. Damals waren die Bilder in der zweiten Etage eines kleinen lokalen Buschshops zu sehen, wo man für die Besichtigung ganz bewusst den Weg nach oben antreten musste. Doch dieses Mal ist die Kunst „mittendrin“. Denn die Werke hängen dort, wo Menschen sitzen, sich unterhalten, Kaffee trinken und ihren Alltag verbringen. Sie verschmelzen regelrecht mit der lebendigen Atmosphäre des Cafés. Und genau das macht den besonderen Charme dieser Ausstellung aus.
Ganz besonders ist auch, dass Cafébesitzer Jürgen Heuer sogar bereits Anfragen bekam, ob einzelne Bilder gekauft werden können. Für die jungen Künstler ist das eine ganz besondere Form der Wertschätzung, wenn jemand sogar bereit ist, Geld für die Schönheit ihrer Werke auszugeben.
Im Übrigen hat sich auch die Präsentation der Bilder im Vergleich zur ersten Ausstellung verändert. Während bei der ersten Ausstellung die Bilder noch gemeinsam auf große Tonpappen geklebt waren, hat Ursula Theiß dieses Mal für jedes Werk einen eigenen Rahmen besorgt. Das gibt den Bildern nicht nur einen professionellen Ausstellungscharakter, sondern unterstreicht auch die Botschaft dahinter, dass jedes einzelne Werk und damit auch jeder junge Mensch etwas Besonderes ist.
Von „Piano Man“ bis Hundertwasser
Jedes Bild in der Ausstellung ist anders, jedes Bild erzählt seine ganz eigene Geschichte. Und jedes Bild ist auf seine ganz eigene Art EinzigARTig. Und wie einzigartig und zugleich unterschiedlich Kunst sein kann, wird beim Betrachten eindrucksvoll deutlich.
Zwei Jungs ließen bei der Erschaffung ihres Werkes beispielsweise Farbe, ihre Hände und jede Menge Bewegung miteinander verschmelzen. Mit etwas akrobatischem Körpereinsatz entstand ein dynamisches, ungewöhnliches Kunstwerk, das beim Betrachten direkt die bunte Energie des Entstehungsprozesses ausstrahlt. Eine Jugendliche ließ sich von ihrem Lieblingssong „Piano Man“ inspirieren und nahm diesen als Ausgangspunkt, um eine ausdrucksstarke Collage zu schaffen. Zwei weitere Mädchen aus den Gruppen waren wiederum von der Gesprächsrunde über das Leben und die Kunst von Friedensreich Hundertwasser so begeistert, dass sie sich von seinem Stil zu eigenen Werken inspirieren ließen. Daneben sind klassische Zeichenkunst, eine ganz eigene Interpretation des Universums, ein Sonnenuntergang und viele weitere individuelle Arbeiten zu entdecken. Somit liegt die Stärke der Ausstellung EinzigARTig auch darin, dass kein Bild dem anderen gleicht.
Die Bilder der Ausstellung stammen insgesamt aus sechs verschiedenen Gruppen. Ursula Theiß arbeitet dabei sowohl mit Einzelgruppen, als auch mit Kleingruppen von bis zu vier Kindern und Jugendlichen im Alter von fünf bis 18 Jahren. In diesen kleinen Gruppen kann Ursula Theiß jedem die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient und alle fühlen sich so auch besser wahrgenommen.
Mit der Kooperation schließt sich der Kreis
Dass die Ausstellung ausgerechnet im Kleinen Café stattfindet, das Jürgen Heuer gehört, ist eine weitere Besonderheit, denn Jürgen Heuer war früher selbst einmal im Familienwerk tätig und hat bis heute Berührungspunkte zu seinem alten Arbeitgeber. So bietet er in seinem Café regelmäßig Praktikanten aus zum Beispiel dem Berufsförderzentrum des Kinderdorfs Uslar einen Platz. Auch Ursula Theiß selbst hat schon bei ihm ausgestellt und als sie ihn diesmal fragte, ob er die Werke der Kinder und Jugendlichen ausstellen würde, war Jürgen Heuer sofort begeistert: „Ich mag Kinder und finde es toll, wenn sie ihre Sachen bei mir ausstellen. Außerdem habe ich ja auch immer noch die alte Verbundenheit mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk und auch zum Kinderdorf, da schließt sich für mich ein Kreis“, erzählt er strahlend.
Auf diese Weise ist die Ausstellung „EinzigARTig“ auch mehr als nur die Präsentation von Bildern. Sie bringt Menschen zusammen, macht jungen Talenten Mut, lässt sie sichtbar werden und zeigt auf, was entstehen kann, wenn Kreativität nicht bewertet, sondern wertgeschätzt wird.
Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieser Ausstellung : „Jedes Bild ist einzigartig. So wie der Mensch, der es geschaffen hat.“
Eine Vernissage wie bei den Großen
Auch die Ausstellungseröffnung war für die jungen Künstlerinnen und Künstler ein richtiges Highlight. Es gab Muffins und Getränke, so einige Besucher die einen Blick auf ihre Werke warfen und das machte die Ausstellenden natürlich ganz stolz. Es war also fast wie bei einer „großen Vernissage“.
Auch Einrichtungsleiter des Kinderdorfs Uslar, Michael Tietze war unter den Eröffnungsgästen und richtete ein paar Worte an die jungen Künstler und Künstlerinnen sowie an die Besucher. So durften die jungen Menschen etwas Wertvolles erleben: Dass das, was aus ihrem inneren heraus entstanden ist, einen echten Wert hat. Denn am Ende geht es bei „EinzigARTig“ nämlich um viel mehr als Farbe auf Papier. Es geht um den Mut, etwas auszuprobieren; es geht darum, die eigenen Grenzen zu sprengen; darum, sich kreativ völlig frei auszuleben und vor allem um eine Erkenntnis, die hoffentlich für immer bleibt: „Ich bin ganz besonders, so wie ich bin.“
Die Ausstellung „EinzigARTig“ ist noch bis zum 15. September im Kleinen Café in Uslar zu sehen. Die Bilder können während der Öffnungszeiten des Cafés besichtigt werden.










